Im September 2021 brach auf La Palma ein neuer Vulkan aus (siehe dazu auch meinen Bericht im Blog).

Trotz vorheriger Informationsveranstaltungen der Behörden musste, als es soweit war, alles sehr schnell gehen. Die Evakuierung der Betroffenen war bestens organisiert, die Menschen aber konfus, angstvoll, verzweifelt. Was mitnehmen? Was zurücklassen? Viele waren vollkommen überfordert.

Was mir auffiel: Immer wieder trugen Frauen, die evakuiert wurden, Pflanzen aus den Häusern. Etwas Lebendiges zu retten, so widersinnig es auch aussehen mag, scheint zutiefst tröstend in einer bedrohlichen Situation zu sein. Zur Rettung von Haustieren – Ziegen, Hunden, Katzen – wurden ganze Feuerwehreinheiten eingesetzt. Das zu sehen hatte auf die betroffenen Menschen eine enorm tröstliche Wirkung.

Unser Haus befindet sich 10 km Luftlinie vom neuen Vulkan Tajogaite entfernt, getrennt durch eine tiefe Schlucht, so dass wir nie ernsthaft in Gefahr waren. Aber wir erlebten natürlich alle Auswirkungen des Ausbruchs mit, den Tremor, die Erdbeben, den Ascheregen, den andauernden Geräuschpegel wie von einem startenden Düsenjet, der nicht vom Boden kommt.

Mein Atelier war sozusagen ein Logenplatz, von dem aus ich die Zerstörung verfolgen konnte. Die Medien waren auf Live Dauerschalte, das Internet voll von Fotos.

Ich malte mir das Entsetzen von der Seele. Und es entstanden Bilder, die, aus tiefem Mitgefühl gestaltet, überzeitliche Geltung erreichen können.

Warum ich sie gemalt habe, gleichwohl wissend, dass diese Bilder sich nicht verkaufen würden?
Weil sie gemalt werden mussten.
Weil ich meine eigenen Emotionen, meine Angst und Verzweiflung kanalisieren musste, und der Kanal dafür ist meine Malerei.

Im November 2022 stellte ich die gesamte Serie in der städtischen Galerie der Inselhauptstadt Sta. Cruz aus. Und ich durfte unglaubliche Momente erleben. Mehrfach brachen Leute vor den Bildern in Tränen aus und erzählten schluchzend, was sie selbst erlebt hatten, bedankten sich bei mir, dass ich ihre Not in meinen Bildern festgehalten habe.
Manchmal wiegen Tränen schwerer als Geld…

Übergabe des Triptychons “ La Palma Llora / La Palma weint “ an die Vertreter/innen der Gemeinde El Paso

Es war der Wunsch vieler Besucher der Ausstellung Tiempos Dificiles 2022 in Santa Cruz de La Palma, dass dieses Bild in der Öffentlichkeit einen Platz findet. 

Übergabe des Triptychons -La Palma llora- an die Vertreter-innen der Stadt El Paso im August 2023
01 Sylvia Catharina Hess La Palma llora 2021_22 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW Triptychon 130 x 173 cm

La Palma llora

02 Sylvia Catharina Hess Da te prisa _ Beeil dich 2021 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW 73 x 54 cm

Beeil dich!

03 Sylvia Catharina Hess Desespera no puedo mas _ Ich kann nicht mehr 2021 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW 73 x 54 cm

Ich kann nicht mehr.

04 Sylvia Catharina Hess Mas rapido fuera corre _ Schneller raus lauf 2021 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW 73 x 54 cm

Schneller! Raus! Lauf!

05 Sylvia Catharina Hess No podemos esperar _ Wir können nicht warten 2021 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW 73 x 116 cm

Wir können nicht warten

06 Sylvia Catharina Hess De la noche a la manana he perdido la esperanza _ Über Nacht ohne Hoffnung 2021 Zyklus Tajogaite Acryl auf LW 73 x 54 cm

Über Nacht ohne Hoffnung