In der Serie „Memory Flashes“ verwende ich alte Fotos, größtenteils aus Familienfotoalben. Ich löse die Personen, die dort abgebildet sind, aus ihrem Zusammenhang, indem ich sie in meine erfundenen Bildwelten integriere. So kann ich sie neutralisieren und für meine Bildideen benutzen. Besonders wichtig ist mir, nur bereits verstorbene Personen abzubilden, denn es geht in dieser Serie um Fragen der Vergänglichkeit, der Allverbundenheit von Mensch und Natur und um das Vertrauen in die Zukunft.

Sakura
Sakura
Die Kirschblüte hat in Japan eine besondere Bedeutung. Sakura blüht nur für kurze Zeit, bevor ihre Blüten sanft zur Erde rieseln. Somit werden sie zu einer Metapher für Vergänglichkeit.
Sakura kann uns daran erinnern, dass wir das Leben in seiner Zerbrechlichkeit wertschätzen und feiern sollen. In der Flüchtigkeit des Moments liegt ein besonderer Zauber.
Die Personen auf meinem Bild sind längst verstorben. Die fröhliche Szene auf dem Foto, das mir als Ausgangspunkt für mein Motiv gedient hat, zeigt sie in den 1950er Jahren in der Blüte ihres Lebens. Sie sind jung, freuen sich am Leben, albern ein bisschen herum, die Zukunft liegt vor ihnen. So habe ich sie in meine erdachte Bildwelt übertragen.
Wer genau hinschaut, wird gewisse Unstimmigkeiten in der Szene feststellen. Tiefblauen Himmel und strohfarbene Wiesen sehen wir normalerweise im Hochsommer. Blühende japanische Kirschbäume dagegen im Frühjahr.
In ihrer Expertise über meine Kunst schreibt die Kunsthistorikerin und Galeristin Dr. Gabriele Hovestadt u. a.: „Das private Erinnerungsbild öffnet sich (…) zu einer allgemeineren Reflexion über Herkunft, Vergänglichkeit und menschliche Zugehörigkeit. Was zunächst harmonisch wirkt und eine Ordnung vermittelt, erfährt bei genauerer Betrachtung feine, doch empfindliche Störungen.“
Ich zeige keine realistische Naturszene, sondern benutze Versatzstücke aus der Natur, um eine tiefere Bedeutungsebene zu schaffen. So kannst du, wenn du das Bild anschaust, immer wieder eigene Assoziationen mit hinein bringen und den gemalten Moment mit deiner eigenen Geschichte ergänzen.
Welche Gedanken kommen dir beim Betrachten dieses Bilds?
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Eine mutualistische Symbiose?
Eine mutualistische Symbiose?
Eine mutualistische Symbiose nennt man eine Beziehung, von der beide Parteien profitieren. In der Natur kennt man dies beispielsweise von Bäumen und Pilzen. Die Pilze liefern den Bäumen als ihren Wirtspflanzen Nährstoffe (Phosphat) und bekommen im Gegenzug von den Bäumen Kohlenhydrate, die diese durch Photosynthese erzeugen.
Als ich über diesen Begriff stolperte, hatte ich angefangen, dieses Bild zu entwerfen, das die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Natur zum Inhalt haben sollte. Während des Malens entwickelte das Bild ein spezifisches Eigenleben.
In meiner dystopischen Szenerie erscheint der Mensch als Zerstörer, ratlos, hilflos. Für das bisschen Leben, das die Bäume noch in sich tragen, holen sie sich die Nährstoffe von wo auch immer – und es gibt einen Hoffnungsschimmer: Frisches Grün sprießt bereits an einigen Stellen.
Dass alles mit allem verbunden ist, können wir auf den zweiten Blick erkennen, wenn wir wissen, dass die Personen auf dem Bild in der wirklichen Welt schon seit langer Zeit nicht mehr leben. Ihre Körper sind zerfallen und haben der Erde Nährstoffe zurückgegeben, die den Pflanzen wieder zugute gekommen sind.
Das Bild kann dich daran erinnern, sorgsam mit den natürlichen Ressourcen umzugehen und niemals zu vergessen, dass wir von der Natur abhängig sind.
Was geben WIR der Natur zurück?
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Wohin aber gehen wir
Wohin aber gehen wir
Vordergründig betrachtet sehen wir hier eine Gruppe, die Rast an einem Gewässer macht. Es gibt Schatten, Sonnenlicht wird durch das Blätterdach der Bäume gefiltert. Die Titelfrage mag sich darauf beziehen, welchen Weg die Gruppe nach der Pause einschlagen wird.
Allerdings könnte die Syntax des Titels die aufmerksamen Betrachtenden stutzig machen. Das ist keine Alltagssprache. Und viele von uns erinnern sich dunkel, diesen Satz schon einmal gehört oder gelesen zu haben, vor langer Zeit, in der Schule. Es ist die erste Zeile von Ingeborg Bachmanns Gedicht „Reklame“. Darin geht es um Kernfragen des menschlichen Lebens, auf welche unsere hektische, von Werbesprüchen geprägte Welt keine Antworten weiß. Sie beruhigt nur, lullt uns ein und ruft zu ständigem Konsum auf.
Nun kann man sich fragen: Worüber diskutieren die Personen auf dem Bild? Ist das überhaupt eine reale Umgebung, in der die Szene spielt? Welche Fragen werden gestellt? Welche Antworten gibt es?
Es ist ein Bild für Nachdenkliche. Für Menschen, die hinterfragen, die sich nicht mit vordergründigen Scheinwahrheiten zufriedenstellen lassen. Vielleicht bist gerade du dieser Mensch?
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Unterwegs in die Zukunft
Unterwegs in die Zukunft
In dieser Serie platziere ich Personen von Fotos aus Familienfotoalben in meine erfundenen Bildwelten. Auf dem Originalfoto von 1949 befinden sie sich auf einem Feldweg am Wiesenrand bei einem Spaziergang. Ich löse sie also aus dem ursprünglichen Zusammenhang. So neutralisiere ich den persönlichen Bezug, den ich zu ihnen habe, und kann spielerisch mit ihnen umgehen.
Aber warum habe ich sie in eine solch dystopisch wirkende Landschaft gestellt? Hier findet sich keines meiner üblichen Naturzitate, kein Baum, keine Blume, keine Gräser.
Ich wollte hier eine überzeitliche Bildwelt erschaffen. Die Menschen, die den 2. Weltkrieg überstanden hatten, machten sich auf in eine Zukunft, voller Pläne und Träume. So ist der Mensch immer wieder der Zukunft zugewandt, ohne zu wissen, was sie für ihn bereit hält.
Die Erzählung des Klimawandels berichtet von einer deutlichen Erderwärmung. Inzwischen machen sich Menschen auf den Weg, damit umzugehen, Lösungen zu finden, um eine Zukunft zu ermöglichen, die noch lebenswert ist.
An diese Hoffnung kann das Bild erinnern. Jedesmal, wenn du es betrachtest.
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Not a Fairy Tale
Not a Fairy Tale
Für meine Serie „Memory Flashes“ habe ich alte Fotoalben durchgeblättert und einige Personen ausgewählt, um sie in meine eigene Bildwelt zu exportieren. So auch diese junge Frau.
Dieses Verfahren ermöglicht es mir, mich von meinem persönlichen Bezug zu lösen, sie zu neutralisieren und als Figur für mein Thema zu nutzen.
Auf den ersten Blick mag das Bild eine märchenhafte Ausstrahlung haben. Die junge Frau steht am Rand eines Auwaldes. Der Hintergrund ist dunstig. Um sie herum Wasser, fast scheint es, als würde sie darauf stehen. Sie hat einen Strauß Narzissen gepflückt, die überall wachsen.
In der Malerei hat die Narzisse eine lange Tradition. Sie steht für Schönheit und Zerbrechlichkeit, im viktorianischen Zeitalter für Vergebung und Neubeginn. Ist sie weiß, symbolisiert sie Reinheit und Unschuld.
Im Foto von 1949 trägt die junge Frau einen Feldblumenstrauß und steht auf einer Wiese. Ich habe ihr die damals typische Kleidung gelassen, vom schwingenden Rock bis zu den Söckchen, sie dann aber in diese andere Umgebung gestellt. Die wirkt wie aus einem Traum, aus einer surrealen Welt.
Die Menschen von 1949 hatten den Krieg hinter sich und begannen sich ein neues Leben zu bauen. Die Zukunft lag vor ihnen mit all ihren Unwägbarkeiten.
Übers Wasser gehen heißt Vertrauen zu haben statt in Angst zu verharren.
So geht es uns Menschen immer wieder : Wir leben, lassen etwas hinter uns, blicken in die Zukunft, gehen weiter.
Wenn du häufig schwierige Entscheidungen treffen musst, kann dieses Bild dir Mut machen und dein Vertrauen in dich selbst stärken.
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