Not a Fairy Tale

Für meine Serie „Memory Flashes“ habe ich alte Fotoalben durchgeblättert und einige Personen ausgewählt, um sie in meine eigene Bildwelt zu exportieren. So auch diese junge Frau.

Dieses Verfahren ermöglicht es mir, mich von meinem persönlichen Bezug zu lösen, sie zu neutralisieren und als Figur für mein Thema zu nutzen.

Auf den ersten Blick mag das Bild eine märchenhafte Ausstrahlung haben. Die junge Frau steht am Rand eines Auwaldes. Der Hintergrund ist dunstig. Um sie herum Wasser, fast scheint es, als würde sie darauf stehen. Sie hat einen Strauß Narzissen gepflückt, die überall wachsen.

In der Malerei hat die Narzisse eine lange Tradition. Sie steht für Schönheit und Zerbrechlichkeit, im viktorianischen Zeitalter für Vergebung und Neubeginn. Ist sie weiß, symbolisiert sie Reinheit und Unschuld.

Im Foto von 1949 trägt die junge Frau einen Feldblumenstrauß und steht auf einer Wiese. Ich habe ihr die damals typische Kleidung gelassen, vom schwingenden Rock bis zu den Söckchen, sie dann aber in diese andere Umgebung gestellt. Die wirkt wie aus einem Traum, aus einer surrealen Welt.

Die Menschen von 1949 hatten den Krieg hinter sich und begannen sich ein neues Leben zu bauen. Die Zukunft lag vor ihnen mit all ihren Unwägbarkeiten.

Übers Wasser gehen heißt Vertrauen zu haben statt in Angst zu verharren.

So geht es uns Menschen immer wieder : Wir leben, lassen etwas hinter uns, blicken in die Zukunft, gehen weiter.

Wenn du häufig schwierige Entscheidungen treffen musst, kann dieses Bild dir Mut machen und dein Vertrauen in dich selbst stärken.